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Rückschnitt: Kalanchoe beharensis

Rückschnitt bei einer Kalanchoe beharensis.

In diesem Blog erzähle ich ein bisschen darüber, wie ich normalerweise eine Sukkulente zurückschneide. Aufgrund der Größe der Kalanchoe gab es ein paar Besonderheiten zu beachten, die einzelnen Schritte sollten jedoch auf andere Pflanzen übertragbar sein.

Generell ist es sinnvoll eine Sukkulente zurückzuschneiden, wenn sie entweder vergeilt, zu hoch oder zu breit gewachsen ist. Das Schöne an Sukkulenten ist ja gerade, dass man sie so einfach vermehren kann. Es gibt quasi keine Abfallprodukte.

Jeden Teil der Pflanze kann man wiederverwerten. Blätter als Blattstecklinge, der Stamm bildet in der Regel auch neue Kindel/ Sprosse aus, nachdem man den oberen Teil der Pflanze abgetrennt hat. Der Kopf ist natürlich der wertvollste Teil, den man erhalten möchte.

Problemkind: Kalanchoe beharensis (Elefantenohr-Kalanchoe)

Ich zeige euch den Rückschnitt am Beispiel dieser großen und relativ alten Kalanchoe beharensis, auf Deutsch auch oft Elefantenohr-Kalanchoe genannt.

Große Kalanchoe beharensis.
Unten waren längst keine Blätter mehr…
Große Kalanchoe beharensis.
…und sie wuchs hoch…
Große Kalanchoe beharensis.
…fast bis an die Decke.

Ein kleines Video, in dem man die Höhe besser einschätzen kann geistert auch noch auf meinem Instagram-Kanal herum. Seit diesen Bildern damals ist die Sukkulente nochmal ein Stück gewachsen und ragte schon ein Stück über das obere Erkerfenster. Mich hat es schon damals in den Fingern gejuckt – wäre es meine Pflanze gewesen hätte ich sie schon längst zurückgeschnitten. Die Pflanze gehörte jemandem aus meiner Familie.

An sich ist es eine sehr schöne Sukkulente mit sehr dekorativen Blättern. In der freien Natur bildet sie sogar Blüten, was bei der Haltung in der Wohnung aber leider nur selten eintrifft.

Umtopf-Schwierigkeiten bei großen Pflanzen

Mit etwas logistischem Aufwand habe ich es geschafft diese Sukkulente umzutopfen. Wie ihr euch vorstellen könnt, war es aufgrund der Höhe nicht gerade einfach die Pflanze richtig zu fixieren, während man versucht den Topf von den Wurzeln zu lösen.

Besonders bei Pflanzen, die über mehrere Jahre nicht umgetopft wurden, sitzen die Wurzeln und der Erdballen bombenfest in den Pflanztöpfen. Meistens ragen schon Wurzeln aus den Löchern unterhalb des Pflanztopfes. Spätestens dann sollte man eigentlich erkennen, dass es Zeit fürs Umtopfen ist.

Zusätzliche Schwierigkeit: besonders bei der Unterart beharensis, wie der Name es schon verrät, ist die Pflanze komplett mit feinen Härchen bedeckt. Beim Umtopfen muss man also immer aufpassen, dass man die Pflanze nur an möglichst wenigen Stellen berührt; sonst hat man später einige kahle Stellen an der Pflanze, da diese Härchen leicht abbrechen. Weil die Kalanchoe schon so alt war, war der untere Bereich des Stammes schon richtig verholzt und gab somit Stabilität.

Kindel & Ableger ohne Ende

Ich habe damals regelmäßig den Topf abgegrast und die meisten Kindel pikiert. Hätte man natürlich auch drin lassen können, der Topf war jetzt allerdings nicht der breiteste und das Wurzelwerk der Mutterpflanze war schon sehr ausgedehnt.

Kalanchoe beharensis in einem Stofftopf (growing pot).
Ihr seht richtig: Das ist ein „Ableger“ der Mutterpflanze

Die oben gezeigte Pflanze ist zum Beispiel ein Ableger des großen Exemplars gewesen. Es ist verwunderlich, dass in so einem kleinen Pflanztopf überhaupt noch Platz war für die Wurzelbildung der Ableger. Leider ist mir dieses Exemplar im Mai 2018 vom Balkon gesegelt und sah danach so mitgenommen aus, dass ich sie auf den Komposter schmeißen musste.

Schnipp Schnapp: Der Rückschnitt

Nachdem die hohe Pflanze durch ihre eigene Instabilität von der Fensterbank gefallen ist ergab sich die Gelegenheit sie zurück zu schneiden.

Folgende Arbeitsschritte bin ich durchlaufen:

  • Zubehör bereitstellen (mehr dazu im Sukkulenten-ABC): Gartenschere, Eimer, Handschuhe
  • Den Schnitt planen: Schaut euch die Pflanze genau an und überlegt euch, wo ihr die einzelnen Schnitte ansetzen wollt. Am Beispiel der Kalanchoe musste der Stamm in mehrere Segmente aufgeteilt werden. Hier habe ich 3 Schnitte geplant (Kopf-Steckling, Mittelstück, unteres Stück).
  • Durchführung: Zieht am besten Handschuhe an und versucht die Pflanze vorsichtig oben festhalten, ohne sie zu beschädigen. Nun könnt ihr die Schnitte mit eurer Gartenschere ansetzen. Achtet darauf, dass die Schnitte schnell und sauber sind – so können die Stellen besser abheilen.
  • Nachbereitung: Überprüft die Schnittflächen und schaut, ob sie sauber/ glatt sind. Wenn sie nicht glatt sind, dann geht am besten mit einem Küchenmesser über die ungeraden Stellen und sorgt nachträglich für eine saubere Fläche.
  • Optional: Zum Desinfizieren der Schnittstellen benutzt man gerne Zimt. Dies ist allerdings nicht zwingend notwendig, wenn die Schnittstellen schon verholzt waren.

Verwertung der Einzelteile

Übrig blieben nach dem Schnitt der Topf mit den beiden alten Stämmen, etwa auf eine Höhe von 15-20 cm gestutzt. Die Schnittflächen habe ich mit Zimt bestreut um sie zu desinfizieren. Im Idealfall sollten entlang der Blattachsen neue Kindel entstehen.

Problematisch bei dieser alten Kalanchoe war, dass der Stamm bereits sehr verholzt ist im unteren Bereich und Pflanzen in der Regel Probleme haben neuen Wuchs anzuregen, wenn alle Blätter entfernt worden sind. Ohne Blätter sind die Möglichkeiten zur Photosynthese nur sehr begrenzt gegeben.

Die Köpfe und deren Schnittflächen, also die oben abgetrennten Teile der Pflanze, müssen erstmal antrocknen. Man kann auch versuchen die Teile sofort in Erde zu stecken, dann besteht aber das Risiko der Fäulnis. Ich würde eher raten, dass ihr die Stecklinge ein paar Tage liegen lasst bis die Schnittfläche nicht mehr feucht ist. Dann könnt ihr überlegen ob ihr direkt eintopft oder die Stecklinge in Wasser stellen wollt.

Rückschnitte einer Kalanchoe beharensis auf dem Boden liegend
Nutzbare Rückschnitte der Kalanchoe

Die langen Triebe zwischen den eben genannten Teilen habe ich entsorgt. Normalerweise besteht auch hier die Chance, dass ihr diese neu bewurzeln könnt. In meinem Fall wäre es zu viel Aufwand gewesen und ich habe die Aussichtschancen eher als gering angesehen.

Nach dem Rückschnitt: Verholzte Triebe der Kalanchoe beharensis
Übrig gebliebene Triebe, stark verholzt

Die Stecklinge in Wasser bewurzeln lassen

Ich habe die Stecklinge mit zu mir nach Hause genommen, eine Woche antrocknen lassen und vor ein paar Tagen in Gläser mit Wasser gestellt, versuche sie also in Wasser zu bewurzeln. Nach spätestens einer Woche man kann in der Regel beurteilen, ob diese Methode Erfolg hatte oder nicht.

Große Stecklinge einer Kalanchoe Beharensis
Später können die Triebe in ein Glas Wasser gestellt werden.
Kalanchoe Stecklinge in einem Glas Wasser zwecks Bewurzelung
Dadurch bewurzeln die Stecklinge schneller.

Falls dies nicht klappt kann man sie alternativ auch sofort einpflanzen, aber ich werde noch ein wenig abwarten. Im Sukkulenten-ABC findet ihr übrigens weitere Informationen zum Thema Bewurzeln von Stecklingen.

Zwei Monate später – wie haben sich die Stecklinge entwickelt?

Die Stecklinge haben auf die Bewurzelung in Wasser gut angeschlagen und ich habe diese etwa 2 Wochen nach dem Schnitt in frische Kakteenerde eingetopft. Zum Beschweren und Fixieren habe ich dicke Steine auf das Substrat gelegt.

Zwei Kalanchoen beharensis stehen auf einer Balkonbrüstung in hellem Tageslicht.
Die Pflanzen waren zunächst etwas krumm, wuchsen dann aber kräftig weiter.

Spannend war auch zu beobachten, wie sich die ursprüngliche Mutterpflanze entwickelt hat. Nach dem radikalen Rückschnitt waren nur der Wurzelballen und die zwei ursprünglichen Triebe noch da, ohne jegliche Blätter. Die Pflanze hat es ohne Blätter schwer Photosynthese zu betreiben. Glücklicherweise war nach kaum 2 Monaten bereits kräftiger neuer Wuchs zu sehen:

Die ehemalige Stelle des Rückschnitts einer Kalanchoe beharensis - aus den Seiten der Schnittstelle sind bereits neue Triebe gesprossen.
Hier ist die damalige Stelle des Schnittes – seitlich davon sind bereits 2 neue Triebe entstanden.
Neue Triebe an einer zurückgeschnittenen Kalanchoe beharensis.
Nach wenigen Wochen war die Pflanze schon wieder kerngesund und kräftig am wachsen.

Aus einer großen Pflanze sind durch den Rückschnitt also drei eigene Pflanzen entstanden, die alle gesund und munter waren. Das liebe ich an Sukkulenten – die Kraft die sie aufbringen, um sich zu vermehren.

Viele Grüße
EUPHORBEAR