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Lichtverhältnisse bei Sukkulenten

Die Lichtverhältnisse spielen beim Thema (Zimmer-)Pflanzen natürlich generell eine wichtige Rolle. Schon beim Kauf einer Sukkulente sollte man sich Gedanken machen, ob man den Ansprüchen der Pflanze gerecht werden kann. Bei mir sind die sonnigen Fensterbänke meistens hart umkämpft.

Inhaltsverzeichnis

Was hat es mit Lichtverhältnissen und -intensität auf sich?

Die Lichtintensität entscheidet maßgeblich darüber, ob und wie gut eure Sukkulenten wachsen! Man könnte auch sagen: Licht ist der beste Dünger. Die erforderlichen Lichtverhältnisse je Gattung hängt stark davon ab, wie sonnig es im natürlichen Habitat der Pflanze ist. Eine tropische Jungle-Pflanze ist bspw. in ihrer Heimat oft von Baumkronen bedeckt, bekommt also nur indirektes Licht. Ein Kaktus, der aus einer kargen Wüste stammt, bekommt dort ganzjährige pralle Sonne ab.

Licht ist wie Nahrung für Pflanzen, denn ohne Licht wachsen sie kümmerlich, unnatürlich oder gehen im schlimmsten Fall ein. Sukkulenten haben in ihrer Heimat meist ganztägige Sonneneinstrahlung, also einen hohen Bedarf an Licht.

Gedämpftes Sonnenlicht

Stichwort: Photosynthese. Ich bin kein Biologe, von daher kann ich euch den Begriff nur laienhaft erklären. Kurz gesagt: Photosynthese kurbelt den Stoffwechselvorgang bei Pflanzen an und benötigt dazu Wasser, Kohlendioxid und Licht.

LUX – kurze Exkursion in die Physik

Im Internationalen Einheitensystem (SI) wird die Lichtintensität/ Beleuchtungsstärke als Lux bezeichnet und mit verschiedenen Verfahren messbar gemacht.

Ein gängiges, wenn auch altmodisches, Werkzeug dazu nennt man Luxmeter. Solche Geräte sind in der Regel ähnlich aufgebaut: man hat zum einen das Gerät selbst mit Display und verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten, zum anderen einen Sensor. Dieser ist entweder per externem Kabel an das Gerät angeschlossen oder – meist bei kleineren Geräten – direkt verbaut. Anzeige: Hier ein LUX-Meter auf Amazon.

Der Sensor misst die Belichtungsstärke, also die Intensität des Lichtes, das auf den Sensor trifft. Sinnvoll ist das Gerät auch für uns Hobby-Botaniker, da man mit dem bloßen Auge nicht erkennen kann, wie es sich mit den Lichtverhältnissen in der eigenen Wohnung verhält.

TIPP: Fürs Smartphone gibt es zum Glück eine kostenlose Variante. Die App namens Physics Toolbox Sensor Suite (Android | Apple) misst verschiedene physikalische Einheiten mithilfe der im Smartphone verbauten Sensorik, darunter auch Lux. Leider sind die Ergebnisse nicht immer 100% aussägekräftig, aber es ist eine gute Annäherung.

Ist die Lichtintensität nicht immer gleich?

Die Frage ist einfach zu beantworten – nein. Je nach Jahreszeit hat die Sonne eine andere Position zur Erde, womit sich auch der Einfall der Sonnenstrahlen ändert. Im Frühjahr und Sommer steht die Sonne weit hoch am Himmel, der Lichteinfall und damit auch die Intensität sind deutlich stärker.

Im Herbst und Winter jedoch steigt die Sonne nicht so hoch am Horizont – die Strahlen kommen nur geschwächt auf unsere Erdenseite. Das ist auch der Grund, warum wir im Winter beispielsweise kein Vitamin D durch die Haut bilden können. Die Intensität der Sonnenstrahlen ist nicht stark genug. Ebenso würdet ihr keinen Sonnenbrand bekommen, wenn ihr euch im Winter zwei Stunden in die pralle Sonne legt.

Welchen Einfluss hat die Himmelsrichtung auf das Licht?

Der erste Blick den wir investieren sollten, ist der auf den Kompass. Wie ihr vermutlich wisst gibt es die vier Himmelsrichtungen – Nord, Ost, Süd und West. Beim Thema Licht spielen diese vier Himmelsrichtungen eine wichtige Rolle.

Wie sich die Himmelsrichtung auf die Belichtung in eurer Wohnung auswirkt. Quelle: Pflanzenfreunde.com

Anhand dieser Grafik bekommt ihr schonmal einen guten Überblick darüber, wie es sich mit den Lichtverhältnissen in eurer Wohnung verhält. Nehmt also einen Kompass zur Hand und überprüft, in welche Richtung eure Fenster zeigen.
Zusammengefasst:

  • Südseite – ganztägig gute Lichtverhältnisse, hohe Intensität
  • Westseite – gute Lichtverhältnisse ab dem Nachmittag bis zum Abend
  • Ostseite – gute Lichtverhältnisse ab dem frühen Morgen bis etwa mittags
  • Nordseite – ganztägig schwache Lichtverhältnisse

Wie die Grafik auch zeigt müsst ihr zudem darauf achten, ob das Licht durch irgendwelche Hindernisse gebrochen wird. Bei meinem Balkon beispielsweise, der Richtung Osten zeigt, befindet sich rechts ein Mauervorsprung, der ab dem späten Vormittag einen Teil der Sonne bereits abblockt. Wenn ihr aus dem Ostfenster blickt reist die Sonne quasi von links nach rechts.

Sonnige Fensterbänke – Mangelware bei Zimmerpflanzen-Fans

Die sonnigsten Plätze in eurer Wohnung befinden sich also am Südfenster, wenn ihr eines habt. Solche Fensterbänke haben ganztägig ausreichend Sonnenlicht und sollten daher für eure lichthungrigen Sukkulenten reserviert sein. Aber Vorsicht, zu viel pralles Sonnenlicht mögen manche Arten auch nicht!

Pflanzregal auf der Fensterbank zum Balkon hin – Ostseite

In meiner Wohnung beispielsweise habe ich leider kein Südfenster – dafür zwei in Richtung Osten und zwei in Richtung Westen. Das heißt, dass die Pflanzen am Ostfenster morgens am meisten Sonne bekommen, die am Westfenster erst ab Nachmittag.

Schatten: Durch die Pflanzen in den oberen Etagen wird das Licht blockiert

Wenn die Plätze sehr rar sind und ihr trotzdem mehr Platz für eure Sukkulenten schaffen wollt, so könntet ihr über eine Fensterbank-Erweiterung nachdenken. Alternativ gibt es auch kleinere, schmale Pflanzregale, die auch auf eine kleine Fensterbank passen. So hab ich es für meine winzige Fensterbank im Wohnzimmer gelöst. Anzeige: Hier findet ihr ein Beispiel auf Amazon ->

Warum die Nähe zum Fenster wichtig ist

Wenn Ihr eure Pflanzen in der Wohnung haltet gibt es jedoch noch einen weiteren entscheidenden Faktor, den man keinesfalls außer Acht lassen sollte. Für unser Auge ist es kaum erkennbar, aber sobald man sich vom Fenster wegbewegt, sinkt auch gleichsam die Belichtungsintensität. Wenn man direkt am Fenster steht, also in unmittelbarer Nähe, ist der Lux-Wert am höchsten.
Geht man bloß einen Meter vom Fenster weg, so sinkt der Wert drastisch.

Aber Vorsicht: Im Sommer, wenn hohe Temperaturen herrschen und die Sonne ordentlich scheint, kann es ziemlich heiß in direkter Nähe eures Fensters werden. Achtet also darauf, dass die Pflanzen nicht direkt an der Scheibe stehen. Im Winter ist dies ebenfalls ein Faktor, wenn das Fenster durch die Außentemperaturen extrem abkühlt.

Vergeilung – wenn eure Pflanzen nicht genug Licht bekommen

Wie gesagt, mit dem Auge erkennt man es kaum, aber die Belichtungswerte sinken rapide wenn man sich bloß einen Meter vom Fenster entfernt. Das Resultat habe ich dann leider im Winter erleben müssen, als die Lichtverhältnisse durch fehlende Sonnenstunden sowieso schon geringer waren.

Ein Großteil meiner Echeverien sind im Winter vergeilt. Das heißt, dass die Pflanzen sich extrem in die Höhe gestreckt haben um sich der Sonne anzunähern. Das sah leider sehr unschön aus und ich musste im Frühjahr Konsequenzen ziehen.
Viele der betroffenen Pflanzen musste ich im Anschluss köpfen/ kürzen, also den oberen, gesunden Teil der Pflanze abtrennen um quasi von neu zu starten. Das kann sinnvoll sein um erneut gesundes Wachstum zu ermöglichen.

Sonnenbrand – wenn eure Pflanzen zu viel Licht bekommen

Ihr lest richtig – auch Sukkulenten können einen Sonnenbrand bekommen. Man kann zwar prinzipiell sagen, dass alle Pflanzen Sonne brauchen und mögen, aber die genauen Anforderung sind doch sehr unterschiedlich.

Schadbild: Sonnenbrand bei einem Pachyphytum

Die Erfahrung musste ich schon einige Male selbst machen. Oben seht ihr ein Pachyphytum, das zu viel Sonne abbekommen hat. Ein Sonnenbrand muss aber nicht bedeuten, dass die Pflanze generell kein direktes Licht verträgt. Ein weiterer Faktor ist der vorherige Standort der Pflanze.

Szenario: Ihr kauft eine total vergeilte Pflanze aus dem Baumarkt, die seit Wochen sehr schattig steht. Folgend muss die Pflanze zunächst wieder ans Sonnenlicht „akklimatisiert“ werden. Wenn man sie direkt in die pralle Sonne stellt, dann ist der Sonnenbrand quasi vorprogrammiert.

Der Sonnenbrand lässt sich leicht erkennen und von Schädlingen unterscheiden. Ihr seht die braunen Stellen an den Blättern – sie sehen auch leicht vertrocknet aus.

Artenspezifische Anforderungen

Die meisten sukkulenten Pflanzen sind sehr sonnenhungrig. Exemplarisch dafür steht die Familie der Echeverien, wo es keine Unterart gibt, die auf Dauer ohne viel Sonne auskommt.
Je mehr Sonne, desto kräftiger die Färbung der Blätter und desto dichter das Wachstum.

Blüte des Hauswurz/ Dachwurz/ Sempervivum.
Blüte eines Sempervivums – kann pralle Sonne vertragen
Neues Wachstum bei einer Euphorbia keithii.
Euphorbien brauchen brauchen tendenziell viel Licht

Gut seht ihr diesen Effekt auch bei der Gattung Crassula, besonders beim allseits bekannten Geldbaum/ Pfennigbaum – Crassula ovata.
Normalerweise sind die Blätter kräftig grün gefärbt – sind sie längere Zeit intensiver Sonneneinstrahlung ausgesetzt, so färben sich die Blätter rot:

Bromelien andererseits, von denen auch viele Arten sukkulente Eigenschaften aufweisen, mögen kein direktes Sonnenlicht aber einen hellen Standort. Orchideen geht es ähnlich, sie fühlen sich sogar an den belichtungsarmen Nordfenstern am wohlsten.